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1. Erkunden der Örtlichkeiten und Festlegen des Messtermins
Bei einem Neubau müssen die baulichen Vorraussetzungen für eine Messung gegeben sein, d.h. alle luftdichtenden Schichten müssen bereits am Bau vorhanden sein. Eine detaillierte Beschreibung hierzu finden Sie auf der Seite
Hinweise. Bei einem Neubau ist es jedoch nicht empfehlenswert, die Ausbauarbeiten an der Innenseite der Bauteile - insbesondere im Trockenbaubereich - komplett fertigzustellen, so dass ggf. erforderliche Nachdichtungsarbeiten einfach und kostensparend noch durchgeführt werden können.

2. Vorbereitung der Messung
Vor der Messung müssen einige wesentliche gebäudebezogene Geometriedaten berechnet werden. Hierzu gehört insbesondere des Netto-Luftvolumen, welches für die Berechnung der n
50-Luftwechselrate benötigt wird. Diese Berechnungen sollten recht genau sein, denn die Abweichungen zum realen Luftvolumen bilden sich direkt proportional in der n50-Luftwechselrate ab.

3. Aufbau der Testgeräte
Die Testanlage besteht im Wesentlichen aus dem Einspannrahmen, dem Nylontuch, dem Ventilator und einer angeschlossenen EDV-Einheit.

Rechts abgebildet ist komplette Messeinheit bei der Messung einer Wohnung. In die Wohnungseingangstür wird der Einspannrahmen mit dem Nylontuch gesetzt. Die Fenster im Treppenhaus stehen offen, so dass die Eingangstür zur Außentür wird und an der Außenseite der Außenluftdruck aufge- nommen werden kann.

Der Ventilator wird in einen vorhandenen Einschnitt in der Nylonbespannung eingesetzt und mit einem umlaufenden Kragen abge- dichtet. An der Innenseite des Gebläses bedindet sich ein aus 5 Ringen (Blende A-E) bestehender Deckel. Durch den Einsatz eines weiteren Ringes kann der Förderstrom des Gebläses deutlich verringert und so an die vorhandene Dichtigkeit der Gebäudehülle und an das zu messende Gebäude- volumen angepasst werden.

Der Ventilator sorgt für den Druckunterschied zwischen Innen- und Außenseite, wobei aus dem vom Gebläse geförderten Volumenstrom direkt auf die Undichtigkeit der Gebäudehülle geschlossen werden kann - je größer der Volumenstrom ist desto größer ist auch die Undichtigkeit.

Die Einzeldrücke von der Gebäudeaußenseite, der Innenseite und der Gebläsedrücke werden über Schläuche an ein Druckmessgerät (dem APT-Gerät = Automatet Performance Testing ) angelegt.

4. APT-Einheit mit EDV-Anschluss
Während der konstanten Druckmessung mit 50 Pascal Über- oder Unterdruck wird von der Auswertungssoftware bereits die resultierende n
50-Luftwechselrate angezeigt.

Das APT ist unten rechts auf dem Foto zu sehen und verfügt über eine Reihe von Anschlüssen für die Druck- aufnahme. Über ein Ver- bindungskabel ist das APT mit dem Laptop verbunden, so dass die Druckwerte in sehr kurzen Abständen per- manent an den Rechner übergeben werden können.

Unten links ist der Dreh- zahlregler des Gebläses zu sehen. Damit kann die Drehzahl des Gebläses also auch von Hand geregelt werden, z.B. um festzu- stellen, ob der erforderliche Gebäudedruck mit den aktuellen Gebläseeinsätzen erreicht werden kann. Während der Messung ist jedoch kein manueller Eingriff mehr erforderlich, da die Drehzahl von der Software permanent ge- steuert und angepasst wird.

Der Laptop ist über die serielle Schnittstelle mit dem APT verbunden. Damit kann das APT seine Mess- daten ständig an die Auswertungssoftware über- geben.

Der Zieldruckwert (50 Pascal Über- oder Unterdruck) wird natürlich regelmäßig knapp verfehlt. Die Rotationsgeschwindigkeit des Gebläses muss daher ständig an den erforderlichen Förderluftstrom angepasst werden, so dass der “Gebäudedruck” (der auf die Gebäudehülle des zu messenden Luftvolumens wirkende Luftdruck) ständig um den Wert -50 (bzw. +50 bei Überdruckmessungen) pendelt.

Messgrafik

Da hier schon die n50-Luftwechselrate angezeigt und ebenfalls ständig an den Gebäudezustand angepasst wird, können während der konstanten Druckmessung Gebäudeleckagen aufgespürt und ggf. noch erforderliche Abdichtungsarbeiten durchgeführt werden. Wiederholungsmessungen sind dann nicht mehr erforderlich! Das APT eignet sich also hervorragend, wenn bereits Optimierungen noch während der Messung gefragt sind.

5. Dokumentation der Leckagen:
Während der konstanten Überdruckmessung werden die Leckagen im Gebäude aufgenommen. In der Regel können die größeren Leckagen bei 50 Pascal Überdruck leicht ermittelt werden, denn die entstehende “Zugerscheinung” ist schon mit der Hand deutlich fühlbar.

Objektiver und genauer als die simple Methode des Fühlens mit der Hand ist die Messung der Luftgeschwindigkeit am Leckageort. Auf dem Foto wird eine Undichtigkeit im Bereich eines Heizkör- perrohres mit einem Luftgeschwindigkeits- messgerät aufgenommen. Die gemessene Altbauwohnung liegt dabei im Dach- geschoss, so dass sich hinter der Ver- fliesung nur noch Verschalungen und Hohl- räume ohne weitere Abdichtungen befinden. Eine solche Undichtigkeit mit erheblichem Querschnitt und einer Luft- geschwindigkeit von 3,00 m/s sollte unbedingt abgedichtet werden.

Alternativ zu den beiden zuvor genannten Methoden kann das zu messende Luftvolumen auch über einen Nebel- genarator mit einem - gesundheitsun- schädlichen - Nebel angereichert werden. Bei der konstanten Überdruckmessung (der Luftdruck ist innen höher als außen) wird sich der Nebel an allen undichten Stellen der Gebäudehülle verdichten. Damit kann also auch ermittelt werden, ob das Messresultat von vielen kleinen Undichtigkeiten oder einigen großen Leckagen herrührt. Die Leckagen werden in der Regel tabellarisch und fotografisch erfasst und nach “Schweregrad” qualifiziert.

6. Anfertigen einer Messreihe
Wenn nach der konstanten Druckmessung eine erfolgreiche Aufnahme einer Messreihe bereits weitgehend sichergstellt ist, wird die Messung über eine Reihe von Gebäudedrücken (10 bis 60 Pascal) fortgesetzt. Über- und Unterdruckmessungen werden dabei häufig zur Erhöhung der Messgenauigkeit kombiniert. Der Ablauf dieser Messreihe erfolgt automatisch.

7. Auswerten und Dokumentation der Ergebnisse
Die aufgenommenen Messwerte lassen sich über eine weitere Software in ein EXCEL-Datenblatt übertragen und dort weiter auswerten. Die Auswertung enthält mindestens alle am Baustandort aufgenommenen Messadaten, die rechnerischen Grunddaten (z.B. Luftraumvolumen) und die n
50-Luftwechselrate als Messergebnis. Nach Vereinbarung können weitere Ergebnisse dargestellt werden. Insbesondere kann der Bericht auch eine detaillierte Darstellung der festgestellten Leckagen mit einem Vorschlag zur Verbesserung enthalten.